Besteigung Alam Kuh, Damavand und kulturelle Höhepunkte im Iran

Anreise und erste Tage in Iran

Mit dem ICE ging es von Siegburg nach Frankfurt. Nach dem Check-In trafen wir die anderen Reiseteilnehmer unserer Gruppe am Gate. Ein paar Gespräche entwickelten sich so langsam in der Gruppe. Insgesamt ist die Gruppe 15 Personen stark. 10 Männer und 5 Frauen. Ein bisschen verspätet ging es dann endlich nach Teheran los. Da irgendwie alles ein bisschen länger dauerte waren wir erst gegen 04:00 Uhr im Hotel. Ein paar Stunden Schlaf, dann ging es schon weiter zur Stadtbesichtigung. Entgegen der geplanten Besichtigung der Schahpaläste und des Juwelenmuseums schauten wir uns den Golestan Palast (Königspalast) und das Nationalmuseum an, was auch alles sehr interessant war. Später ging es nach dem Besuch der Partneragentur des DAV in Iran „Cyrus“ in die Berge nördlich von Teheran zu einer kleinen Eingehtour und zum Mittagessen.

Gegen 18:00 Uhr waren wir im Hotel zurück. Duschen, Abendessen u. dann die Tasche packen für die Berge. Der Rest bleibt im Hotel. Nach dem Frühstück gegen 08:30 Uhr gehts es los in die Berge. Über Chalus ging es tief hinein in die grüne Bergwelt des nördlichen Elburs-Gebirges. Über Marzan Abad erreichen wir Rudbarak. Wir schlafen aber entgegen der normalen Planung ca. 700 Hm weiter oberhalb von Rudbarak in einem Haus des Iranischen Alpenvereins auf ca. 2300m. Das ist besser für die Akklimatisierung. Nach einem leckeren Abendessen, letztmaligem Duschen für die nächsten Tage, ging es bei strömendem Regen früh zu Bett. Uns standen zwei 8er Lager zur Verfügung.

Rudbarak – Basislager Hessarchal 3800m  

Super kein Regen mehr, nur tiefhängender Nebel. Los ging es mit überladenen Geländewagen weiter hinauf, bis ans Ende der – schlechten – Schotterpiste bei Tang-e Galu. Dort übernehmen Maultiere unsere großen Taschen, sowie Zelte, Kocher und Essen für unser Basislager. Wir selbst gehen den Rest der Strecke mit leichtem Gepäck. Das Lager wird auf der Hochebene Hessarchal in ca. 3.800 Meter Höhe errichtet, über die die ganze Zeit der Wind in teils heftigen Böen pfeift. Unser zu Hause für die nächsten 3 Nächte. Nach Aufbau der Zelte unternehmen wir am Nachmittag eine erste, kurze Wanderung, zur besseren Akklimatisierung. Abends wurden wir wieder lecker bekocht. Die Nacht war sehr kalt und windig (4° C im Zelt), aber unsere Schlafsäcke hielten uns warm. Trotzdem schläft man natürlich nicht so gut wie gewohnt.

Basislager Hessarchal – Lashkarak (4256m)

Zur weiteren Akklimatisierung und Vorbereitung d. Damavands ging es zum Gipfel des Lashkarak 4256m. Es war sonnig, aber sehr stürmig. Vorbei an einem schönen Bergsee ging es in Serpetinen über einen Geröllhang zum Gipfel. Pause machten wir unterhalb einer Gletscherzunge. Da es allen gut ging, erweiterten wir die Tour und gingen ausgesetzt entlang eines Grades zu einem Nachbargipfel auf ca. 4400m. Der Abstieg durch ein Schuttkarr zum Lager war wenig spassig. Wir haben uns ordentlich abgelegt und es gab blaue Flecken und Schürfwunden. Zurück im Lager haben wir uns „ein Bad“ in einem kleinen Fluß gegönnt u. waren wie immer auf der Suche nach einem geeigneten Toilettenplatz! Das aufgebaute Toilettenzelt am Lager war nicht zu nutzen, leider! Abends gab es wieder lecker Essen von unserer iranischen Köchin, gemütliches Zusammensitzen bei arktischen Temperaturen. Wie immer ging es früh zu Bett und man hoffte in der Nacht nicht raus zu müssen.

Basislager Hessarchal – Alam Kuh 4850m

Heute wird es ernst! Der zweithöchste Gipfel des Iran der Alam Kuh 4850m, steht auf dem Programm. Der Aufstieg erfolgt auf der Südroute über steile Geröll-, Schotter- und Felsabschnitte. Konditionell ist die Route sehr anspruchsvoll, schwierig wird sie durch die Ausgesetztheit und den starken Wind. Heute teilte sich die Gruppe erstmals in 2 Teile. Unsere „Oldies“ Hans, Sepp und Brigitte (Alter 68-74) kamen 45 min. später als wir am Gipfel an. Es ist unglaublich was sie in Ihrem Alter noch drauf haben. Sie haben unseren größten Respekt. Am Gipfel gab es noch eine Fotosession mit Iran- und Deutschlandflagge. Wir blieben ca. 45 min. am Gipfel, bevor wir uns auf den Abstieg machten. Der Abstieg war sehr mühselig + lang + steil. Nach 8 Std. waren wir in unserem Camp zurück. Dort hatte unsere Köchin schon eine warme Suppe für uns vorbereitet. Waschen im Fluß und Toilettensuche sind obligatorisch. Wir sind alle kaputt, aber stolz, dass es die ganze Gruppe geschafft hat. Nach dem letzten Abendessen im Basislager ging es gegen 22:00 in die Zelte. Die letzte Nacht war wieder sehr kalt!

Basislager Hessarchal – Machmud Abad (Kaspisches Meer) – Rineh 2.060m

Auf unserem Abstieg zu den Geländewagen begegnen uns auf einmal Läufer mit Startnummern. Es war ein Trail-Rennen, das „Sky Running“, veranstaltet von der iranischen Bergwanderer-Vereinigung. Wir haben die Läufer – und Läuferinnen gebührend angefeuert und es hat uns einmal mehr gezeigt: Iran ist sicher kein Entwicklungsland und weit von dem entfernt, was wir über das Land so denken. Aber dazu werde ich später nochmal gesondert was schreiben.

Mit den Geländewagen geht es wieder bis Rudbarak, wo uns wieder unser Bus in Empfang nimmt und wir dann Richtung Kaspisches Meer fuhren. Insgesamt von 3.800 Metern Höhe bis 25 Meter unter Normal-Null. Spät abends kommen wir im Hotel an, eine etwas herunter gekommene Bungalow-Anlage in Strandnähe bei Mahmud Abad. Das Kaspische Meer ist genau genommen der größte Binnensee der Erde und trägt seinen Namen nur aufgrund seiner Größe und des Salzgehaltes. Nach dem ersehnten Duschen, ging es zum Abendessen in ein Lokal was unser Guide schon vorreserviert hatte. Danach ging es zum Strand in eine „Strandbar“. Dort gab es, man mag es kaum glauben, von unserem Guide (den Namen möchte ich nicht nennen 😉 )organisiert, „besseres Wasser“ sprich Vodka und Bier Bier (kein 0,0% Bier)!!! Außerdem bekam ich meine erste langersehnte Wasserpfeife. In der „Strandbar“ lief Iran-Pop aus großen Boxen und es hängen ein paar junge Leute ab. Als eine ältere Frau anfängt zu tanzen und uns auffordert mit zu machen, ist das Eis gebrochen. Es wird eine schöne Party, mit sehr ausgelassener Stimmung. Weit nach Mitternacht, gingen wir dann mit diesen besonderen Eindrücken schlafen.

Nach einem leckeren Frühstück war noch Zeit für einen ausgedehnten Strandspaziergang. Wir genossen die angenehme Wärme und schauten interessiert dem Treiben am Strand zu. Gegen Mittags geht es dann wieder per Bus zurück in die Berge, Richtung Damavand. Unterwegs wird wieder mal gut gegessen. Überhaupt ist der Urlaub kulinarisch hervorragend und die Güte und Menge der Verpflegung dazu geeignet, an Gewicht zuzulegen… zu der iranischen „3-Sorten-Spieße Diät“ gibt es immer wieder regionale Köstlichkeiten, wie z.B. gefülltes Huhn in süßer, leicht Essig-saurer Soße mit Pflaumen. Die Berglandschaft auf dem Weg zum Damavand, ähnelt sehr der in Afghanistan und ist sehr spektakulär. Wir erreichen den kleinen Ort Rineh, auf 2.060 Meter Höhe, wo Mustafa mit tatkräftiger Unterstützung seiner Familie, ein kleines, gepflegtes Gästehaus für Bergsteiger betreibt. Vom Ortsende haben wir einen ersten Blick auf den Damavand, den höchsten Gipfel des Iran.

Rineh – Gusfandara – Hütte Bargah-e-Sevom 4.200m

Nach einer angenehmen Nacht und einem guten Frühstück geht es mit mehreren Geländewagen  los. Erst einige Kilometer noch auf der asphaltierten Straße, dann über eine Stunde auf einer Schotterpiste bis Gusfandara 3030m, wo am Ende des Weges eine kleine Moschee steht und der Aufstieg zur Schutzhütte beginnt. 1200 Hm ↑ sind zu bewältigen. Wir wieder mit leichtem Gepäck und die Mulis mit unseren großen Taschen. Die Hütte entpuppt sich als stabiler Steinbau, jedoch völlig überfüllt, kalt, schmutzig und sehr chaotisch. Einige polnische und russische Gruppen vergrößern das Chaos noch und anfangs sind nicht genug Betten für uns frei. Unsere Guides haben alle Hände voll zu tun, das in den Griff zu bekommen, aber es gelingt und alle bekommen ein Bett zugewiesen. Am Abend kochen sie für uns im Licht ihrer Stirnlampen, in einem dunklen Eck des Hauptraumes und zaubern tatsächlich Spaghetti Bolognese und Salat! Von der Hütte aus können wir die Lichter Teherans in weiter Entfernung sehen. Früh ging es in die Betten. Bei Licht und ständigem kommen und gehen versuchten wir trotzdem Ruhe zu finden und zu schlafen.

Hütte Bargah-e-Sevom – Damavand 5610m – Hütte Bargah-e-Sevom – Rineh

D-Day!!! 4:00 Uhr aufstehen, Frühstücken, um 05:00 ging es dann los. Im Schein der Kopflampen ging es im Gänsemarsch von der Hütte erst über loses Geröll dann über einen Grad Richtung Gipfel. Es war empfindlich kalt und der Wind im Bereich der Hütte gab uns einen Vorgeschmack auf das, was uns im weiteren Verlauf erwarten würde.  Die ersten 2,5 Std. waren recht einfach auf ausgetretenen Pfaden. Es war schön, als endlich die Sonne aufging. Der Anstieg ist technisch nicht besonders schwierig, verlangt aber ein Höchstmaß an Kondition und Ausdauer. Trotzdem teilte sich die Gruppe aufgrund der verschiedenen Geschwindigkeiten in 4 Untergruppen. Leider erreichten Sepp, Hans, Martina und Brigitte nicht den Gipfel, sie drehten bei 5000m um. Unsere Gruppe bestand aus 4 Personen. Nach ca. 4,5 Std. kamen wir zum letzten Drittel. Wir dachten das schlimmste wär geschafft, aber da sollten wir uns täuschen. Es kam nun ein offenes, sehr steiles Geröllfeld auf den letzten 150-200 Hm. Der Wind wurde zudem immer stärker und erschwerend kam noch der beißende Schwefelgeruch hinzu, der hier im Gipfelbereich vorherrscht. Nach 6 Std. hatten wir es geschafft. Wir standen auf dem höchsten Gipfel Irans, des Orients und einem der höchsten freistehenden Berge der Welt, dem Damavand auf 5610m. Wir schossen die üblichen Gipfelbilder, machten eine kleine Pause, aßen etwas und machten uns dann auf den Abstieg.

Er sollte ähnlich mühselig werden wie der Aufstieg. Über steile Geröllfelder ging es schnell bergab Richtung Hütte. Mehrmals rutschten wir aus und überschlugen uns. Unbeschadet erreichten wir aber nach 9,5 Std. die Hütte. Es gab eine leckere warme Suppe. Wir beschlossen nicht noch eine schreckliche Nacht auf der Hütte zu verbringen und in unser Gästehaus in Rineh abzusteigen. Nach kurzer Pause wurden die Taschen gepackt, die bestellten Mulis beladen und abgestiegen. Gegen 20:00 Uhr waren wir dann bei Mustafa im Gästehaus. Ein erlebnisreicher, langer u. anstrengender Tag ging zu Ende! …nicht ganz, denn Mustafa bot uns noch den Besuch eines Schwefelbades an, was wir gerne annahmen und sehr entspannend war! Es gab danach noch ein traditionelles Essen in der Nähe des Bades und so waren wir erst gegen 00:00 Uhr zurück.

Rineh – Teheran

Herrlich in einer ruhigen und sauberen Umgebung geschlafen zu haben. Ich bin ja schon einiges von Hütten gewohnt, aber die am Damavand gliedert sich ganz am Schluß ein. Da ist Zelten angenehmer. Nach einem reichhaltigen Frühstück verabschiedeten wir uns von Mustafa und seiner Familie. Das Gästehaus kann ich nur empfehlen, sollte mal jemand dort vorbeikommen! Es ging zurück nach Teheran, wo dann der kulturelle Teil beginnen soll. Durch den früheren Abstieg, haben wir einen halben Tag gewonnen. Das nutzten wir am Nachmittag direkt aus, um uns Teheran weiter anzuschauen. Wir fahren als erstes mit der modernen U-Bahn ein Stück, zu einem der großen Parks der Stadt. Dort laufen wir kurz durch das „Holy Defense Museum“ ein Kriegsmuseum, in dem Stolz Raketen und Waffen ausgestellt werden, den Märtyrern gehuldigt wird und u.a. auch den vor einigen Jahren ermordeten iranischen Atomwissenschaftler gedacht wird.

Weiter geht es zur Tabiat Brücke, einer modernen, teilweise begrünten, Fußgängerbrücke über die Autobahn, die wir bei der Einfahrt in die Stadt schon kurz vom Bus aus gesehen hatten. Hier fühlen wir uns fast wie Popstars. Überall sprechen uns Einheimische an, wollen Selfies mit uns machen, fragen uns, wo wir her kommen und ob es uns in Iran gefällt. Die Iraner präsentieren sich uns als offenherziges, freundliches, neugieriges Volk. Nach einem leckeren Eis geht es mit Taxis zurück zum Hotel. Nach dem Essen ging es noch in ein Teehaus wo wir uns eine Wasserpfeife gönnten.

Teheran –  Shiraz

Früh morgens fliegen wir nach Shiraz (ca. 2 Mio. Einwohner). Unser Bus ist schon nach Shiraz vorgefahren. Nach dem kurzen Flug von nur einer Stunde, nimmt uns unser Bus am Flughafen in Empfang. Die Stadt ist sehr begrünt, der Baustil regional leicht anders als in Teheran und was auffällt: Es ist sauber. Nahezu nirgends liegt Plastikmüll herum, was wohltuend zu einem guten Stadtbild beiträgt. Wir besichtigen eine Moschee, die als Museum genutzt wird und nur noch an Feiertagen als Gotteshaus, danach den alten Gouverneurspalast. Amir kauft Brot, Käse und Wurst, so dass wir dort im Garten eine Picknick- und Teepause einlegen können. Und dann geht es zum Basar. Dort ist – erwartungsgemäß – viel Betrieb und man kann sich in den vielen verwinkelten, überbauten, teils engen Gassen hervorragend verlaufen. Das Programm ist dicht gedrängt und reich an Höhepunkten. Das Mausoleum von Shah Cheragh ist atemberaubend! Hier bekommen wir einen offiziellen Führer, der uns dieses schiitische Heiligtum erklärt und „unsere Frauen“ müssen sich mit einer Art „Betttuch“ verschleiern. Allein unser gackernder, kichernder Haufen nimmt dem Ort in unserem direkten Umfeld etwas die Heiligkeit. Den Abschluss der Besichtigungen bildet am Abend das Grabmal, mit schönem Garten drum herum, des berühmten persischen Dichters Hafiz aus dem 14.Jahrhundert. Und weil Göthe ein Bewunderer Hafiz war, hat Shiraz auch heutzutage eine Städtepartnerschaft mit Weimar. Bei Sonnenuntergang füllt sich der Garten zunehmend und es entsteht eine romantische, getragene Stimmung, die dem alten Hafiz sicher gut gefallen hätte.

Shiraz – Persepolis

Wir brechen nach dem Frühstück nach Persepolis auf, zu den Ruinen der alten persischen Residenzstadt, die vor über 2.300 Jahren von Alexander dem Großen zerstört wurde. Man kann die Pracht, die geherrscht haben muss, als diese Residenz in voller Blüte stand, nur erahnen. Bemerkenswert ist u.a. dass der iranische Staat solche Stätten durchaus ernsthaft pflegt, erhält und die alte persische Kultur aus vorislamischer Zeit als Erbe offenbar erhalten will. An den Ruinen selbst sind Inschriften in den drei damals gängigen Sprachen des Reiches interessant und das große, gut erhaltene Fries der Prozession der 23 von den Persern beherrschten Völker, die den Herrschern Geschenke bringen. Die größten und bekanntesten Herrscher dieser Zeit waren Darius der Große, Cyrus (oder: Kyros der Große) und Xerxes.

Deren Felsengräber besuchen wir anschließend. Dort ist, neben anderem, auch ein Fries zu sehen, auf dem der Gott der Perser, Ahura Mazda, die göttliche Macht an König Darius überreicht. Am Ende ist es ziemlich viel Fels in ziemlich viel Staub, wie ein paar von uns anmerken.

Persepolis – Isfahan

Auf dem Weg nach Isfahan (die zweitgrößte Stadt des Irans mit ca. 5 Mio. Einwohnern) tankt unser Busfahrer und so sehen wir, dass der Liter Diesel dort nur etwa 0,08 € kostet. Die Fahrerei zieht sich stundenlang hin, die Hochebene geht bis auf über zweitausend Meter und dann wieder etwas runter nach Isfahan und unser eher schwächlich motorisierter Bus quält sich die Steigungen hoch. Immerhin ist auf der Autobahn moderater Verkehr, so dass wir doch gut voran kommen. Nichts desto trotz kommen wir erst spät in Isfahan an und essen in einer modern-skurrilen Pizzeria im armenischen Viertel zu Abend. Gegen Mitternacht sind wir dann in der Innenstadt, wo unser Hotel ist. Allerdings gibt es einen Buchungsfehler, so dass noch drei Mitreisende kurzfristig in ein anderes Hotel umziehen müssen. Auch hier beweist Amir großes Organisationsgeschick. Nachdem es am vorigen Abend so spät wurde, geht es nicht ganz so früh weiter, zumal der Bus die drei Versprengten auch erst wieder einsammeln muss. Dann geht es zum großen Königsplatz, dem 2. größten Platz der Welt, mit einer Größe von fast neun Hektar Fläche. Früher wurde hier von den Adligen Polo gespielt, später fuhren auch Autos darüber, aber heute ist es ein schön gestalteter Platz zum Flanieren. Hier gab es mal wieder mehrere schöne Begegnung mit offenherzigen Iranern. Unser Mittagessen nahmen wir in einem, aus Reiseführern auch bekannten, sehr guten Restaurant ein, welches innerhalb des Basares gelegen ist. Anschließend besichtigten wir auch noch den Palast der 40 Säulen, Tschehel Sotun. Zum Abend hin fahren wir zu den berühmten, alten Steinbogen-Brücken über den Zayandeh-Fluss, welcher allerdings die meiste Zeit des Jahres kein Wasser führt, weil dieses in den Bergen aufgestaut wird, für die Wasserversorgung der Millionen-Metropole. In den 33 Gewölbebogen der Si-o-se Pol Brücke aus dem 17. Jahrhundert treffen sich die Einheimischen bei Dämmerung, um in der guten Akustik zu singen. Dabei tragen sie alte, getragene Volks- oder Liebeslieder vor und es entsteht eine geradezu magische, romantische Stimmung, die eine wohlige Gänsehaut erzeugt. Solcherart eingestimmt gingen wir wieder in unser Hotel zurück, wo sich der traditionelle Innenhof des Altstadt-Hotels bewähren sollte. Denn wir hatten nicht nur unseren Abschlussabend, sondern auch meinen Geburtstag zu feiern, ab Mitternacht; also hinein feiern. Auch hier hat Amir wieder Talent bewiesen, indem er kurzfristig Schnaps (Codename: „Rosenwasser“) fürs Anstoßen besorgt hat. Zur Feier hat Reiner ein Gedicht des Hafiz aus seinem neuen Buch vorgetragen und Markus sprach den besten Abschlusssatz für die Reise: „Wir sind als Reisende gekommen und gehen als Botschafter.“

Isfahan – Kashan – Teheran

Der letzte Tag bricht an. Bevor wir uns aus Isfahan verabschieden, besichtigen wir noch die armenische Kirche, an der wir am ersten Abend in Isfahan, auf dem Weg zum Abendessen, schon vorbei gefahren sind. Sie ist als Museum ausgestaltet, wird aber auch noch für Gottesdienste benutzt, wie man uns sagte. Nebenan ist ein eigenes Museum über armenische Geschichte eingerichtet, in dem u.a. der osmanische Genozid von 1915 thematisiert wird. Wir brechen zu unserer letzten Etappe auf, über einen Stopp in der Stadt Kashan zum Flughafen von Teheran. In Kashan fällt auf, dass in der Innenstadt fast alle Frauen schwarze Tschador tragen, etwas was wir in dieser Fortm die ganze Zeit nicht gesehen haben. Ob das nur die konservativen Bewohner des Stadtzentrum sind, oder die Stadt an sich noch nicht so modern ist, können wir nicht heraus finden. Wir besichtigen ein Herrenhaus, einer reichen Händlerfamilie aus dem 19.Jahrhundert, ein 700 Jahre altes Heiligtum, auf das mit einem Schild in eher unfreiwillig komischen Englisch hingewiesen wird, eine Imam-Madrassa, den Basar (wo leider am frühen Mittag nicht viel los ist) und eine Rosenwasser-„Fabrik“, die aber sehr zum Leidwesen der daran interessierten, bis zu unserer Ankunft schon nicht mehr produziert und nur der Laden noch offen ist. Dann ist der Endspurt zum Flughafen angesagt, mit einem kurzen Zwischenstopp an einer großen Rastanlage an der Autobahn, die einer Mischung aus Einkaufspassage und Disneyland gleicht. Auch das ist der moderne Iran. Am Flughafen schließlich verabschieden wir uns von unseren Mitreisenden, da wir noch ein paar Tage länger in Teheran bleiben.

Teheran

Da wir bisher fast nichts von Teheran gesehen hatten, haben wir in den 3 Tagen die wir verlängert haben noch einige der zahlreichen Schah-Paläste, das Juwelen-Museum, diverse Kunstmuseen, traumhafte Parkanlagen etc. besucht. Meistens haben wir uns mit der U-Bahn fortbewegt was nach anfänglichen Schwierigkeiten, dann doch das beste Fortbewegungsmittel darstellte. Auch in Teheran waren wir wieder begeistert von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen. Egal ob es in der U-Bahn, auf der Strasse oder an anderen Plätzen war wurden wir angesprochen, wurde uns geholfen, ist uns mit einem Lächeln begegnet worden. So etwas ist uns in dieser Form noch selten passiert und hat uns nachhaltig beeindruckt und uns auch zum Nachdenken angeregt, wie wir mit Fremden in unserem Land umgehen. Wir können nur sagen, dass es einer unserer schönsten Reisen war die wir bisher unternommen haben und können den Iran als Reiseland nur wärmstens empfehlen. Gefreut haben wir uns aber auch auf ein „richtiges“ kaltes Bier, was wir uns sofort am Flughafen in Frankfurt gegönnt haben ;-)! Auch heute noch 3 Monate nach der Reise und beim schreiben des Berichts, sind meine Gedanken noch sehr oft in Iran und bei den Menschen vor Ort.

Vielen Dank an Reiner, dass ich einige Passagen aus Deinem Reistagebuch verwenden durfte! Ein weiteres Dankeschön geht auch an unsere Bergguides und vor allem an Amir unserem Kulturguide, der uns sein Land und die Menschen in einer Ihm eigenen besonderen Art u. Weise näher gebracht hat.

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